Die Ingenieurbauten in ihrer guten Gestaltung : Gasbehälter, Flugzeug- und Luftschiffhallen, Kühltürme

aus dem Kunstmuseum Hamburg

GASBEHÄLTER. Die mit einem Mauerring ummantelten und mit einem Dach abgedeckten Gasbehälter erhalten durch die Lichtöffnungen für die Laufgänge, durch Treppentürme, Sockel, Gesims, Dach und durch die Struktur des Werkstoffs in Wandflächen und Dachhaut Maßstab und Ausdruck. Die unverhüllten Teleskopbehälter wirken allein durch das stützende Eisengerüst mit seinen Bühnen und Verstrebungen und durch den eisernen Körper und dessen Detail selbst. Entscheidend für alle Typen bleibt die Körperform in ihrem Verhältnis von Höhe und Breite. Wie ein im Grundriß rechteckiger Wohn- oder Speicherbaukörper an sich und ohne Rücksicht auf Unterteilungen im einen Fall übertrieben langgestreckt, im andern Fall zu gedrungen und deshalb auch konstruktiv und wirtschaftlich unzweckmäßig ist und auch unvorteilhaft wirkt, in einem weiteren Fall nach Länge, Breite und Höhe unbestimmt und deshalb langweilig oder häßlich, in einem vierten Fall aber in seinen Proportionen auf jede Weise gelungen erscheint, so unterscheiden sich auch hier schlechte oder unbestimmte Formen von guten. Ebenso verhält es sich bei der Anordnung mehrerer derartiger Körper in einer Gruppe. Auch da muß ein entschiedener Eindruck durch richtiges Abwägen der Abstände (nahes Heranrücken der Körper aneinander oder Überwiegenlassen der Zwischenräume im richtigen Verhältnis) angestrebt werden. Dasselbe gilt beispielsweise auch für Öltanks, Säurebehälter u. dgl.

FLUGZEUG- UND LUFTSCHIFFHALLEN. Die moderne Aufgabe hat aus dem reinen Zweck heraus völlig neue, zum Teil sehr ausdrucksvolle Körper und Räume gezeitigt. Der Eindruck eines richtigen Maßstabes ist bei den häufig vorliegenden, besonders großen Formen sehr wichtig. Durch Sichtbarlassen eines wohldurchgebildeten Binder- und Konstruktionssystems (im Äußern oder im Innern) kann er gut erreicht werden. Der Anschluß von Werkstätten, Verwaltungsräumen usw. ist infolge verhältnismäßig kleiner Ausmaße derselben, ihres oft kleinlichen architektonischen Maßstabes und unorganischen Zusammenschlusses mit der Riesenhalle häufig verfehlt worden.

KÜHLTÜRME. Für sie gilt bezüglich einer guten Gestaltung imVerhältnis von Querschnitt (gegebenenfalls unterem zum oberen und Übergang vom Rechteck zum Vieleck) und Höhe das früher Gesagte, ebenso in der Stellung mehrerer zueinander. Von früher häufiger gehandhabten überflüssigen architektonischen Verzierungen des oberen“ Abschlusses bei Holztürmen, die offenbar die oft plumpe und auch als solche von den Konstrukteuren empfundene Form mildern sollten, sie aber in Wirklichkeit nur verstärkten, ist man abgekommen.

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Die Ingenieurbauten in ihrer guten Gestaltung : Hallenbauten

aus dem Kunstmuseum Hamburg

HALLENBAUTEN. Die Ausstellungshallen von Paris und London sind als Beispiele für besonders gute, großzügige Körperbildungen herangezogen. Beide Gebäude, deren ersteres im äußeren Gesamteindruck zur Arena in Verona in Vergleich gesetzt ist, sind in der ihren Entstehungszeiten eigentümlichen stilistischen Einzelbehandlung nicht vorbildlich, die aber die große Körper- und Raumwirkung kaum schmälert. Die Hallen, die als eigentliche Industriebauten anzusehen sind (vornehmlich Bearbeitungswerkstätten, Kraftversorgungs- und Lagerräume und deren Zusammensetzungen), werden durch zweckmäßiges Unterbringen und übersichtliches, dem Arbeitsvorgang entsprechendes Anordnen der Betriebseinrichtungen im Grundriß wesentlich bestimmt. In Grundplan und Konstruktion des Querschnitts muß auf das Heran- und Wegschaffen der Materialien Bedacht genommen werden. Die Antriebs- und Hebevorrichtungen wirken zugleich mit der Konstruktion auf den Querschnitt ein, oft unter Wahrnehmung des knappesten nötigen Lichtmaßes für die Kranprofile. Ausreichende Luft- und natürliche Lichtzufuhr und Betriebssicherheit, aber auch gute Verhältnisse in Länge, Breite, Höhe und Querschnitt müssen würdige, gutwirkende Arbeitsräume schaffen helfen. Das kommt der Wirtschaftlichkeit des Betriebes zugute. Besonders bei Anlage von Haupt- und Seitenhallen sind an das Zusammenstimmen der Wünsche des entwerfenden Ingenieurs und des Betriebsingenieurs zum Ziele guter Zweckmäßigkeit und wohlabgewogener Verhältnisse im Äußern und Innern hohe Ansprüche zu stellen. Der Gebrauch von Eisen in vollwandigen oder Gitterbindern oder von Eisenbetonkonstruktion, die entsprechende Ausbildung der Stützen und der Wandflächen und Art (Seitenlicht, Oberlicht) und Maße der Lichtquellen wirken auf den äußeren und inneren Eindruck der Hallen entschieden ein. Die gute Wahl und Anwendung ganz oder nahezu vollständig sichtbar bleibender konstruktionsbildender Elemente bringt fast von selbst Rhythmus und wohlgefällige Form mit sich. Ihnen durch Zutaten architektonischer Art und in kunstvoll gesteigerten Umrissen, namentlich beim Ausbau der Giebel, besonderen Ausdruck verleihen zu wollen, führt leicht auf Abwege und zum Zerreißen des inneren Zusammenhanges von Baukörper und seinen Außenflächen. Daß die in die Binderkonstruktion eingefügten oder auf sie aufgesetzten Oberlichte und die Lichtfülle selbst den Eindruck der in denselben wirkenden, den Raumeindruck wesentlich mitbestimmenden Kräfte nicht zerschneidet oder verschleiert, muß sehr beachtet werden. Sowenig Dachpappe und Blech als Dachhaut für Wohnhaus- und Wirtschaftsbauten allein schon aus wirschaftlichen und hygienischen Gründen in Frage kommt, so sehr finden sie im Hallenbau berechtigten Gebrauch. Die Struktur (markierte Bahnen bei Dachpappe und glattem Blech, Wellblech) wirkt maßstabbildend.


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Die Ingenieurbauten in ihrer guten Gestaltung : Industrieanlagen

aus dem Kunstmuseum Hamburg

INDUSTRIEANLAGEN UND ZU IHNEN GEHÖRIGE EINZELHEITEN. Alte Bergwerks-, Hütten-, Salinen- und Fabriksbauten, besonders aus der Zeit um 1800, sind vielfach in der Klarheit ihres Organismus baulich mustergültige Schöpfungen, wenn man die veränderte Lage der modernen Wirtschaft richtig in Betracht zieht. Gesamtplan, Grundriß und Baukörper beispielsweise der formvollendeten württem-bergischen Salinen können den Gestaltern großanzulegender heutiger Industriebauten wertvolle Winke geben.

Der Zweck der Industriebauten besteht darin, „die Waren in einem möglichst wirtschaftlichen Betriebsvorgang herzustellen, der sich vom Heranführen des Rohmaterials bis zum Versand des Fertigfabrikates erstreckt“ (Maier-Leibnitz). Die Anlage eines Industriebaues, im großen betrachtet, muß ein Organismus guter, aufeinander abgestimmterTeile sein. Erst ein solcher bietet die Erweiterungs- und Verbesserungsmöglichkeiten, die sich oft als nötig erweisen und unerwartet schnell eintreten können, ohne die Gefahr einer Minderung der einmal erreichten wirtschaftlichen, praktischen und zugleich schönheit-lichen Vorzüge im Gesamtwert der Anlage. Nur ein solcher ermöglicht die beste Rentabilität des Betriebes.

Der als zweckmäßig erkannte Betriebsvorgang hat die Planung der Gesamtanlage von vornherein entscheidend zu beeinflussen. Wenn die fraglichen Räume zur Verwaltung und Kraftgewinnung, wenn Werkstätten, Lagerhäuser und Arbeits- und Lagerplätze in ihrer notwendigen Größe bestimmt sind, und der Arbeitsvorgang in seinen einzelnen Phasen und deren Aufeinanderfolge geklärt ist, können die Einzelgebäude und -anlagen in ein Verkehrsnetz eingruppiert werden, das aus Verkehrswegen für die Menschen und Werksgleisen und sonstigen Transportanlagen für Rohmaterial, Fertigfabrikate, Abfälle usw. besteht (Maier-Leibnitz). Hier ebenso wie beim Einfügen der ganzen Anlage in Landschaft oder Ort (Wege, Gleise, Fahr- und Hebezeuge, Kraftleitungen, Eisenbahn-, Landstraßen- und Wasserwegeanschluß, Rücksicht auf vorhandene oder geplante andere Baulichkeiten, Baum wuchs, Geländeart usw.) besteht eine enge Verwandtschaft mit grundlegenden und entscheidenden Voraussetzungen der Siedlungskunst, die in wesentlichen Zügen viel eindeutiger und vom Sondergeschmack ihrer Schöpfer weit unabhängiger sind, als bisher im allgemeinen unter den Beteiligten angenommen wird.

Man muß den Industriebauten und den ganzen Werkanlagen auch äußerlich — und zwar nicht so sehr infolge angebrachter Reklameschilder als vielmehr zweckmäßigen und zugleich ausdrucksvollen Gestaltens—ansehen, um was für einen Betrieb es sich handelt, warum er so und so aufgefaßt ist. Eine derartige Wirkung nach außen hin ist das beste Zeichen für wirtschaftlich und baulich gute Lösung.

Es versteht sich von selbst, daß alle Einzelheiten innerhalb der Anlage und ganz besonders Einrichtungen des Transports von Rohmaterialien, Abfällen, Kraft usw., die das Werk mit der städtebaulichen und landschaftlichen Umgebung verbinden, bei voller Rücksicht auf deren Eigenart so gut wie möglich gestaltet werden. Hier wiedergegebene Beispiele zeigen deutlich, daß auch der Gestaltung und Wirkung dieser Dinge in zunehmendem Maße gebührende Aufmerksamkeit seitens der Verantwortlichen zuteil wird.



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Die Ingenieurbauten in ihrer guten Gestaltung : Eisenbahnbrücken, Straßenbrücken, Fußgängerbrücken

aus dem Kunstmuseum Hamburg

BRÜCKEN. Eine unmittelbar aus den wirtschaftlichen und technischen Anforderungen entsprungene, wohlabgewogene bezeichnende Form des Bauwerks, die die fraglichen Beziehungen (vor allem auch zur Landschaft oder zum Ortsbild) und die imWerk ruhenden statischen Funktionen zum klaren Ausdruck bringt, hat als entscheidend für die gute Wirkung zu gelten. Gelände, Werkstoff, handwerkliche bzw. modern technische Arbeitsweisen, besondere Erfordernisse (in Höhe, Breite, Spannweiten, Nutzlast) und der jeweilige Zweck (Fußgänger-, Straßen-, Eisenbahnbrücke) beeinflussen den zu wählenden Typus von Grund auf. Dieses Typische in guter Form herauszuarbeiten ist Haupterfordernis. Es durch architektonische Zutaten (Betonung der Pfeiler, der Brückenenden u. dgl.) im organischen Zusammenhang mit dem konstruktiv Gebotenen zu unterstreichen ist wohl möglich, jedoch bei unzureichenden Kräften verfehlt.

Viele hervorragend schöne, kühne und wuchtige Wirkungen, die wir an alten Bauten bewundern, kommen heute nicht mehr in Frage. Denn die Aufgaben sind durch neue Anforderungen, wie z. B. durch denVerkehr auf den Wasserstraßen bedingte große Spannweiten und die nur geringe Schwellung oder völlige Ebenheit der Fahrbahn, die not-wendigeWerkstoffersparnis usw., in ihren wesentlichen Grundzügen verändert; für sie müssen dementsprechend auch völlig andere Formen gesucht und gefunden werden, jede statisch mögliche und konstruktiv naheliegende, an sich richtige Lösung ist noch keineswegs die rechte. Das Werk kann technisch gut sein, aber den Eindruck erwecken, als bräche es im nächsten Augenblick in sich zusammen. In einem anderen Fall, etwa bei mächtigen Ausmaßen im Ganzen und zu groben oder zu feinen Unterteilungen wirkt es mammutartig aufgeblasen. Die gegebene Einzeldurchbildung (z. B. Fugenteilung, erkennbare Brüstungshöhe, Profilierung bei massiven, Gitterwerk bei eisernen Brücken u. dgl.) muß so erfolgen, daß sie dem Auge gewohnte oder leicht einschätzbare Maßstabsanhalte gibt.

Die verschiedenenWerkstoffe erzeugen ganz von selbst wesentlich verschiedene Typen. Beim Gebrauch neuartiger Werkstoffe (Eisen, Beton, Eisenbeton) wurde zunächst vielfach der Fehler gemacht, gewohnte Systeme auch im neuen Material nachzuahmen. Man mußte eben erst allmählich erfahrungs- und gefühlsmäßig eine eigene Formensprache für die neuen Bauweisen schaffen. Eisenbetonbrücken z. B. legte man reine Eisenkonstruktionsformen zugrunde; bei entsprechendem Verstärken der Gurte und Stäbe entstanden dann leicht unbeholfene Gebilde. Ebenso abwegig ist es, gedankenlos Form und Aussehen eines Werksteinbaus auf eine schlankere, leichtere, meist auch schmalere Betonoder Eisenbetonbrücke zu übertragen. Solche Brücken bei besonders flacher Bogenlinie mit Werkstein zu verkleiden, widerspricht ihrer Konstruktion und ist unsachlich.

Die Eisenbrücke löste sich in ihren Formen zuerst schwer von der Steinbogenbrücke als Vorbild ab. Ihre Gestaltungsmöglichkeiten gingen darauf, sehr oft auf Kosten eines guten Ausdrucks, ins Ungemessene, um sich dann wieder immer mehr unter Ausschalten manchen Systems und mit stärkerer ästhetischer Rücksicht auf eine geringere Zahl von Grundtypen einzuschränken. Die moderne Eisenbrückenbaukunst hat uns einige vortreffliche Lösungen beschert, und man darf der weiteren Entwicklung getrost entgegensehen. Namentlich bei Aufgaben, die untergeordnet, darum den für sie Verantwortlichen die Mühe guter Formdurchbildung nicht wert erscheinen, und lediglich als kurzsichtige Reißbrettkunst gehandhabt werden, kehren jedoch gewisse charakteristische Mängel immer wieder, u.a. unentschiedene oder klobige Umrißwirkung,unbestimmte, deshalb ausdruckslose, bisweilen den Organismus geradezu zerschneidende Einfügung der Fahrbahn, harter, rücksichtsloser Abschluß der Konstruktion an den Enden oder unsachlicher, häßlicher Übergang zu massiven Pfeilern oder fortlaufender Brüstung, falscher Maßstab oder mangelnder Rhythmus (in Linien und Dimensionierung) der Füllstäbe und Diagonalverstrebungen, fehlender Zusammenklang mit einer benachbarten Brücke in System und Einzelverhältnissen, schlechtes Heranführen der Anrampung, Zusammenhanglosigkeit oder Widerspruch gegen das Wesen der städtebaulichen Nachbarschaft u.dgl. mehr.

Das Eisenwerk als solches bedarf keines ornamentalen oder sonstigen, dem Werkstoff und seinem Gebrauch an Brücken fremden Schmuckes. Zwar sind in frühen Zeiten, namentlich noch in Gußeisen, stilistisch bemerkenswerte, in Maßstab und Klarheit des Gefüges gutwirkende reichverzierte Bauten entstanden; wohl haben, ganz abgesehen von zahlreichen mißglückten und zum Teil komischen Versuchen, treffliche Architekten noch im Jugendstil und später um ornamental-künstlerische Steigerung des Funktionsausdrucks gerungen. Aber jetzt ist wohl jedermann davon überzeugt, daß Stützen, Gurte, Streben, Lager, Knotenpunkte usw., vollkommen schlicht durchgebildet, schon formbildend sind und bei guter Dimensionierung und Abstimmung auf das Gesamtgebilde die Grundlagen für gute Wirkung in sich bergen.

Allerwichtigstes, wirtschaftliches sowohl wie schönheitliches Erfordernis für das Gestalten einer Brücke ist und bleibt das rechte Erkennen und Bewerten der in der Landschaft bzw. im fraglichen Städtebild ruhenden Voraussetzungen. Wenn Süddeutschland noch heute, übrigens auch aus sozialerVorsorge für das Erhalten und Weiterentwickeln handwerklicher Baupflege, mehr Steinbrücken und neben ihnen Eisenbetonbrücken bevorzugt, das norddeutsche Tiefland mit seinen breiteren Flüssen den Eisenbau, so liegt das in der Natur der Sache. Für das Einstimmen von Brücken in wertvolle alte Stadtbilder wird mit Recht — nach Möglichkeit— der Vorzug dem Massivbau gegeben.



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