Deutsches Leben im 14. und 15. Jahrhundert

aus dem Kunstmuseum Hamburg

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Die einzelnen Kapitel:
Deutsches Leben im 14. und 15. Jahrhundert – Vorrede
Deutsches Leben im 14. und 15. Jahrhundert – Einleitung
Deutsches Leben im 14. und 15. Jahrhundert – Stichelreden gegen die verschiedenen Stämme, Landstriche und Städte Deutschlands
Deutsches Leben im 14. und 15. Jahrhundert – Die Burgen

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Die Ingenieurbauten in ihrer guten Gestaltung : Speicher, Silos, Bunker

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Die Speicher vergangener Jahrhunderte pflegen als Nutzbauten von zum Teil erheblichen Ausmaßen gegenüber malerischen und reichen bürgerlichen Stilbauten von großer Einfachheit in Mauer- und Dachkörper zu sein. Niedrige, langgestreckte Lagerräume, die gemäß den hohen Nutzlasten gedrungene Gewölbe bzw. starke Holzböden auf kräftigen Zwischenstützen benötigen, eine volle Ausnutzung des oft steilen Dachstuhls, knappe Licht-und Lüftungsöffnungen in langer, gleichmäßiger Folge mit entsprechend großflächigen Wänden und Dachhaut geben den Bauten von vornherein ihre charakteristischen Züge. Diese werden weiter ganz von selbst bestimmt durch Gebrauch von Backstein, Werkstein oder ausgemauertem Fachwerk, wobei letzteres häufig aus konstruktiven Gründen von Geschoß zu Geschoß übergekragt ist, durch die freie Stellung des Baues auf einem Platz oder seinen Stand im Zug der Straße als Giebel- oder Langbau.

Der Städtebauer und Architekt von heute scheut sich oft, sehr zum Nachteil für seine Aufgabe, vor der hier im Thema ruhenden Einfachheit und gelangt deshalb selten zur Wucht und Großzügigkeit der alten Bauten.

Neuzeitliche Speicher sind häufig durch romantische Zugeständnisse in der Dachausbildung (Mansarddach auf plumpem Mauerwerk in Königsberg i. Pr.) oder durch zu stark gegliederte Dachaufbauten, die weitere Vollgeschosse ersetzen sollen (Köln, Dresden), um die mögliche gute Wirkung gebracht. Die Gestaltung der neuen Speicher ist dann besonders wichtig, wenn sie durch ihre hohen Abmessungen in charakteristischen alten Stadtbildern mit niedrigeren Häusern und weniger hohen Kirchdächern und Türmen (z. B. Stralsund) oder an hervorragender Stelle eines Flußufers wesentlichen Einfluß auf das Gesamtbild hervorrufen.

Für den Silobau in Eisenbeton hat namentlich Amerika neuartige typische Formen gefunden. Sie sind dann von überzeugender Selbstverständlichkeit, wenn man auf hier am wenigsten angebrachte formale Requisiten klassischer oder moderner Architekturstile verzichtet hat.

Von bezeichnenden Formen der in Industriebezirken häufigen Kohlenbunker in Eisenkonstruktion, mit Mauerstein-Ausfachung von Eisengerippe oder in Eisenbeton sind hier Beispiele nicht gegeben. Es sind Baukörper, die ebenfalls durch ihren äußerlich in allen Teilen erkennbaren Zweck die gegebenen Elemente einer charakteristischen Gestaltung in sich tragen; im allgemeinen haben sich bei ihnen gutgebildete Typen noch nicht durchgesetzt. Geradeso wie die modernen Werkstätten wirken sie oft im Gerippezustand der fertigen Eisenmontage vortrefflich, nach der Fertigstellung in Einzelheiten und Gesamtheit der Flächen- und der Dachausbildung wieder kleinlich und unharmonisch.

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Die Ingenieurbauten in ihrer guten Gestaltung : Gasbehälter, Flugzeug- und Luftschiffhallen, Kühltürme

aus dem Kunstmuseum Hamburg

GASBEHÄLTER. Die mit einem Mauerring ummantelten und mit einem Dach abgedeckten Gasbehälter erhalten durch die Lichtöffnungen für die Laufgänge, durch Treppentürme, Sockel, Gesims, Dach und durch die Struktur des Werkstoffs in Wandflächen und Dachhaut Maßstab und Ausdruck. Die unverhüllten Teleskopbehälter wirken allein durch das stützende Eisengerüst mit seinen Bühnen und Verstrebungen und durch den eisernen Körper und dessen Detail selbst. Entscheidend für alle Typen bleibt die Körperform in ihrem Verhältnis von Höhe und Breite. Wie ein im Grundriß rechteckiger Wohn- oder Speicherbaukörper an sich und ohne Rücksicht auf Unterteilungen im einen Fall übertrieben langgestreckt, im andern Fall zu gedrungen und deshalb auch konstruktiv und wirtschaftlich unzweckmäßig ist und auch unvorteilhaft wirkt, in einem weiteren Fall nach Länge, Breite und Höhe unbestimmt und deshalb langweilig oder häßlich, in einem vierten Fall aber in seinen Proportionen auf jede Weise gelungen erscheint, so unterscheiden sich auch hier schlechte oder unbestimmte Formen von guten. Ebenso verhält es sich bei der Anordnung mehrerer derartiger Körper in einer Gruppe. Auch da muß ein entschiedener Eindruck durch richtiges Abwägen der Abstände (nahes Heranrücken der Körper aneinander oder Überwiegenlassen der Zwischenräume im richtigen Verhältnis) angestrebt werden. Dasselbe gilt beispielsweise auch für Öltanks, Säurebehälter u. dgl.

FLUGZEUG- UND LUFTSCHIFFHALLEN. Die moderne Aufgabe hat aus dem reinen Zweck heraus völlig neue, zum Teil sehr ausdrucksvolle Körper und Räume gezeitigt. Der Eindruck eines richtigen Maßstabes ist bei den häufig vorliegenden, besonders großen Formen sehr wichtig. Durch Sichtbarlassen eines wohldurchgebildeten Binder- und Konstruktionssystems (im Äußern oder im Innern) kann er gut erreicht werden. Der Anschluß von Werkstätten, Verwaltungsräumen usw. ist infolge verhältnismäßig kleiner Ausmaße derselben, ihres oft kleinlichen architektonischen Maßstabes und unorganischen Zusammenschlusses mit der Riesenhalle häufig verfehlt worden.

KÜHLTÜRME. Für sie gilt bezüglich einer guten Gestaltung imVerhältnis von Querschnitt (gegebenenfalls unterem zum oberen und Übergang vom Rechteck zum Vieleck) und Höhe das früher Gesagte, ebenso in der Stellung mehrerer zueinander. Von früher häufiger gehandhabten überflüssigen architektonischen Verzierungen des oberen“ Abschlusses bei Holztürmen, die offenbar die oft plumpe und auch als solche von den Konstrukteuren empfundene Form mildern sollten, sie aber in Wirklichkeit nur verstärkten, ist man abgekommen.

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