Die Zeitalter der Chemie : Die ersten Erkenntnisse von der Materie

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Erster Abschnitt

Betrachtet man den heutigen gewaltigen Ausbau der wissenschaftlichen Chemie mit ihren unübersehbaren Seitendisziplinen, so muß man sich sagen, daß diese kolossale Geistesarbeit nicht erst seit dem 18. Jahrhundert entstanden sein kann, sondern daß schon vor dieser Zeit große chemische Forscherarbeit geleistet sein mußte. Vornehmlich sind es alte griechische Erinnerungen, die uns bei einer Betrachtimg dieses Kapitels den Stoff geben. Bezüglich der Quellen sind wir zum Teil auf Gräberfunde, zum Teil auf einzelne Stellen alter Autoren angewiesen.

Von letzteren kämen hauptsächlich in Betracht: Theophrastos 371—286 v. Chr., ein Schüler des Plato und des Aristoteles; von ihm ist uns ein Werk über Mineralien erhalten; dann von den späteren: der Grieche Dioskorides (Mitte des 1. Jahrhunderts n. Ohr.) und der Römer Cajus Plinius Secundus (der ältere Plinius), welcher 23 n. Chr. geboren wurde und beim Ausbruche des Vesuvs zu Pompeji im Jahre 79 umkam. Aristoteles kommt hier weniger in Erwähnung, und wir werden im zweiten Teile ausführlich auf ihn zurückkommen. Sehr wichtig ist vor allem das Sammelwerk des Plinius, die große „naturalis historia“, weil uns dieselbe einen ziemlichen Überblick über die antike Naturkenntnis gestattet; leider aber wissen wir gar oft Benennungen nicht zu deuten, weil ihr Sinn sich geändert hat, und geraten hierdurch in mannigfache Zweifel. Von den in der Natur vorkommenden Rohstoffen sind die Metalle am frühesten genauer bekannt geworden.

Bevor wir uns jedoch mit der „naturalis historia“ befassen, möchten wir in großen Zügen einiges über die Kenntnisse der alten Völker vorausschicken.

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Leitgedanken II

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Vor dir steht ein Pferd. Das Tier gefällt dir? — Das will ich gerne glauben. Es ist auch nicht irgendein beliebiges Pferd. Es ist ein besonders schönes, ein besonders edles und rassiges Tier. Es gehört zu der Rasse der Lipizzaner, die ihren Stammbaum bis in das klassische Altertum zurückführt.

Warum gefällt dir dieses Tier eigentlich so besonders gut? Warum bist du glücklich, daß es dir begegnete? Warum tut sein Anblick dir in der Seele wohl? — Seltsame Fragen, wirst du denken; da braucht man doch nicht nach dem Warum zu fragen, wenn einem so ein Pferd gefällt, so ein herrliches Geschöpf. Waum es mir gefällt? — Nun, einfach, weil es schön ist; weil es so ebenmäßig im Wuchs ist; weil alles bei ihm so gut zueinander stimmt, Rumpf, Kopf und Beine; weil sein Fell so glatt ist, seine Farbe so vornehm, seine Bewegung so geschmeidig, seine Haltung so stolz ist. Das ist alles ganz richtig, aber ich will noch etwas ganz anderes von dir hören, nicht die Gründe für dein Wohlgefallen, die beim Pferde liegen, sondern diejenigen Gründe, die bei dir selbst liegen. Was befähigt dich, die Schönheit eines Pferdes zu empfinden? Welche Eigenschaften in dir machen dir das möglich? Ich weiß, daß dir auch diese Antwort nicht schwerfallen kann. — Du sagst, es sei dein Schönheitssinn, dein Instinkt? Richtig, aber noch treffender? — Also, dein Gefühl für Rasse!

Masken

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Verzeichnis der Abbildungen unten.

Kunst sagt Privates menschlicher Formen aus. Wenn von hoher Warte aus gefordert, wird der Reichtum der Erscheinungen ein bedeutender sein. Der Kollektivismus mag in letzter Präzision nichts anderes als die Einsicht einer eminenten Summation von Sondertypen geben, die in der Interpretation des Einzelfalles anschwellen zu einem Komplex tausenderlei Vorstellungen und kultureller Lebenskräfte. Im großen Zusammenhänge arbeitet die Einzelseele an der Auffassung, an der Kombination von Grundelementen zu Grundkomplexen, zu Denkmälern universaler Gattungen. Die Differenz, die einstmals zwischen Kunst und Wissenschaft lag, im Sinne der Deutung vorhandener Zeichen, wird heute verkleinert, vielleicht sogar gänzlich vermindert. Ihr Verhältnis hinsichtlich der Arbeitsmethode, äußerlich scheinbar ohne jeden Vergleichswert, wächst an Intimität. Die Verwertung läuft bei beiden auf unmittelbare Zeugnisse innerer Anlagen aus. Herausarbeitung des Willens, Zwischenstadien und Umbildungen mit einbegriffen, erfährt lebhaftesten Akzent, ob er der Forschung, ob er Gefühlsaffekten dient. Auf dieser Basis erhebt sich die künstlerische Wissenschaftlichkeit, die wissenschaftliche Kunst-Fühlweise Nietzsches, die Möglichkeiten, Direktiven ausgiebigster Gedankenwelten erleben, formen läßt. Eine kulturphilosophische Position wird somit erreicht, ergreifend in der Erkenntnis, klar im wissenschaftlichen Exponenten, die die Struktur menschlicher Normen in glücklicher Renaissance uns klar und sinnlich erschauen läßt. Homogenität kommt wiederum in die Disharmonie, die bisher sich geradezu als heimliches Signal unter Künstlern und Wissenschaftsmenschen entfaltete. Das Gestaltungsphänomen baut auf privat-psychischem Untergrund, tritt aus den Stufen eines labilen Bewußtseins erst später in das Tatsachenarsenal ein. Der Prozeß endet schließlich in der Objektfindung, deren detaillierte Ausarbeitung dann mancherlei Beeinflussungen erfahren, die die einstmals einheitlichen Zonen verwischen kann. Das ursprüngliche Stadium als Sphäre psychischer Energien rechtfertigt die Begründung vom arbeitenden Entstehungsmonismus im Individuum, gleichgültig, ob fernerhin die motorische Abfuhr verschiedene Wege einschlägt. Die Differenzierung, die nun anhebt, und komplizierteste Verhältnisse ausgestaltet und scheinbar keinen genügenden Grund in der Kausalität und Genese künftig legitimiert, sei es Dichtung, Mathematik oder Skulptur, also Psychismen heterogensten Anscheins, wird über die Illusion hinwegtäuschen können und den ersten schwierigen Urantrieb zu überliefern imstande sein. Dies ist wichtig, um im Geflecht geistiger Buntheit die primäre innere Physiognomik wirken zu sehen.

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