Germanische Grabzeichen

aus dem Kunstmuseum Hamburg


Wenn die Angehörigen ihre lieben Toten in diesem Gärtlein besuchten, kamen sie nicht in eine fremde, kalte Welt. Leben und Tod sind dem germanischen Empfinden keine Gegensätze. Auch wenn die Kirche den Tod als „der Sunde Sold“ lehrte, feierte das Volk in liebevollen Gebilden aus Eisen, Holz und Stein die Abgeschiedenen mit den Symbolen des Lebens in dem instinktiven Gefühl, duß der Tod die Wurzel neuen Lebens ist.

An diesen alten Grabzeichen, die wir durch beliebig viele ergänzen können, ist des Lebens auszusagen. Sinnvoller Schmuck nichts Überflüssiges dran; alles an ihnen dient nur dem einem Ziel, einen Gedanken ist niemals Zierat oder Schnörkel.

Was diese Grabzeichen aus verschiedenen Jahrhunderten und aus verschiedenen Werkstoffen gemeinsam auszeichnet, das ist ihr fragloses Jasagen zum Leben. Mehr noch als aus den Sinnbildern und Formen spricht diese Einstellung aus der unbekümmerten Frische, mit der die Handwerker geschmiedet, geschnitzt und gemeißelt haben. Das müssen wir vor allem wieder lernen, auch in unserem Schaffen in die eigene Kraft zu vertrauen. Dann werden unsere Werke, ob sie für Alltag oder Feier, für Leben oder Tod gestaltet werden, wieder so sicher dastehen wie die alten, selig in sich selbst, unbekümmert um Tadel oder Beifall, spottend der Pedanterie von Zirkel und Lineal, aber dennoch gehorsam der straffen Zucht ewiger Formgesetzc. Wem diese Inschrift zu krumm und buckelig ist, wen es stört, daß die Buchstaben nicht auf der Linie stehen, nicht gleich hoch sind und daß der vergessene Buchstabe kleiner angehängt ist, der mag auch eine schwielige Bauernfaust und eine knorrige Eiche verachten.

Wir jedoch spüren, daß der bäuerliche Handwerker, der diesen Stein schuf, viel wußte von straffer Zucht und Ordnung und daß er die Kraft besaß, auch die Unebenheiten seiner Hand in die Einheit seines Werkes zu zwingen.

Wie bei dem oben abgebildeten alten Herrnhuter Friedhof, so wird auch bei den künftigen Friedhöfen und Gedenkstätten die größte Einfachheit die beste Lösung darstellen. Die Male, von Menschenhand geschaffen, müssen sich sinnvoll einfügen in die umgebende freie und gestaltete Natur.

Siehe auch: Deutsche Geschichte in Bild : Von Theoderich bis Adolf Hitler

Weiterlesen

Die Zeitalter der Chemie : Die philosophischen Anschauungen der Griechen und die Frage nach den Elementen

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Zweiter Abschnitt

Wenn auch die geistige Richtung der Griechen immer mehr um sich griff, so wurde die Chemie doch sehr stiefmütterlich behandelt und machte infolgedessen keinen Fortschritt. Der Grund hierfür ergibt sich aus Mangel an Beobachtung der Griechen. zumal sich die Chemie doch auf Tatsachen stützt und ihr Studium Auffindung und Betrachtung von Tatsachen ist. Bedenkt man, daß die ersten Tatsachen dieser wissenschaftlichen Richtung aus den seiner Zeit betriebenen Künsten mid Gewerben entlehnt winden, hierbei aber die Manipulationen, die das Material bei vorbereitenden Arbeiten erregte, nicht das Interesse fanden, welches zu der wissenschaftlichen Erkenntnis der gemachten Beobachtungen erforderlich war, so ist das eine gewisse Indolenz natürlichen Vorgängen gegenüber, ein charakteristisches Merkmal der Maturbetraektung der Alten. Statt Versuche mit den Naturprodukten anzustellen, wurde vielmehr die Interpretation zu Hilfe gerufen, und auf die oberflächlichsten Beobachtungen hin entstanden Meinungen, die die Macht von Lehrsätzen erhielten, weil solche von angesehenen Männein geäußert wurden. Von den schönen Künsten wurde nur der ästhetische Teil betrieben, und die geistige Kraft der Griechen erstreckt sich nur auf Poesie, abstrakte Philosophie und politische Geschichte.

Die Medizin war schon in frühester Zeit in Griechenland zu einer großen Blüte gelangt; jedoch beschäftigten sich nur wenige mit dieser Wissenschaft, und die Wenigen kommen für die Chemie gar nicht in Betracht.

An dieser Stelle können wir einige Namen von berühmten Ärzten, deren Heilmittel noch heute bekannt sind, nicht unerwähnt lassen. —

Es sind dies: Chion Asklepios 1300 v. Chr., Hippokrates 500 v. Chr., Galenus 131 n. Chr.

Weiterlesen