Dresdner Galerie

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Die Malerei vom 14. bis ins 17. Jahrhundert

Weiterlesen

Adam Elsheimer

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Die neueste Richtung unserer Kunst sucht das Große, Einfache, Typische. Sie will im Großen sich auswirken, für das Kleine und Feine hat sie keinen Sinn. Ähnliche Ziele setzte sich, trotz allem künstlerischen Abstand, auch der Barock; aber er ließ neben dem Großen und Gewaltigen auch das Kleine, das Zarte gelten. Ja, die Kleinkunst, die Kleinmalerei war im 17. Jahrhundert ganz besonders geachtet und geschätzt, selbst von den Künste lern, die im größten Stil dachten und in kolossalem Umfang schufen. Neben Rubens’ Werken waren die miniaturartigen Bilder eines Jan Brueghel, eines Adriaen Brouwer u. a. allgemein bewundert; sie wurden bezahlt wie Kolossalgemälde von Rubens selbst. Dieser war dem Blumen Brueghel eng befreundet, und Bilder von Brouwer suchte er für seine Sammlung zu erwerben, sooft und zu welchen Preisen immer sie ihm angeboten wurden. Italien hatte nichts Ähnliches an Werken der Feinmalerei aufzuweisen; sie lag den Italienern, ja den Romanen überhaupt fern, aber nichts desto weniger hatten sie dafür volltse Bewunderung. Schon zur Zeit des Lorenzo de’Medici trachteten die italienischen Sammler mit allen Mitteln nach dem Besitz von Bildern eines Jan van Eyck und Memling; und wie Karl V. nichts höher schätzte als die phantastischen Schöpfungen eines Hieronimus Bosch mit ihrem überreichen humoristischen Kleinkram, so begeisterte sein Urenkel Philipp IV. sich für Jan Brueghels saubere Landschaftten und Blumensträuße, von denen Carlo Borromeo in Mailand eine ganze Sammlung besaß. Den Reiz der Intimität und Delikatesse der kleinen Landschaftsbilder eines Adam Elsheimer verstand ein Großmaler wie Rubens so sehr zu würdigen, daß er sie sammelte, ja sogar kopierte.

Weiterlesen

100 klassische Männerbildnisse: eine Auswahl aus den Meisterwerken der Porträtkunst

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Die Bildniskunst nimmt innerhalb der Malerei eine ähnliche Stellung ein, wie in dem weiteren Reich, das alle Künste umfasst, die Architektur. Wie der Architekt, steht der Porträtist in einem besonders engen Verhältnis zu seinem Auftraggeber und in eigentümlicher Abhängigkeit von einem direkt praktischen Zweck. Das Haus, das der Baumeister errichtet, soll nicht allein und nicht in erster Linie schön sein, sondern auch und zuerst bestimmten Aufgaben und Forderungen der Brauchbarkeit genugtun. Das Porträt, das der Maler schafft, soll nicht nur ein gutes Bild an sich, sondern es soll das leicht erkennbare Abbild eines Menschen sein, soll dessen Äusseres möglichst lebendig und treffend wiedergeben und dabei meist noch über seine Seele allerlei Gutes und Schmeichelhaftes aussagen. Dies letztere ist wahrscheinlich in vielen Fällen der schwierigste Teil der Aufgabe, dem zuliebe schon mancher Künstler bedeutende Opfer seiner künstlerischen und psychologischen Einsicht bringen musste. Immer aber hat der Maler beim Porträt eine gebundene Marschroute; und je ernster er es mit seiner Kunst nimmt, desto tiefer wird er das Problem empfinden, von dem der Auftraggeber mit seinem „Nur recht ähnlich!“ und „Nur recht vorteilhaft!“ meist überhaupt keine Ahnung hat: das Problem, dass mit der Forderung der Ähnlichkeit und nun gar der „verbesserten“ Ähnlichkeit ein eigentlich ganz ausserkünst-lerisches Moment für das künstlerische Schaffen ausschlaggebend gemacht werden soll. Emanuel Geibel hat in einem Distichon erklärt:

„Was ich vom Kunstwerk will? Dass es schön und sich selber genug sei. In dem einen Gesetz ruhen die übrigen all.“

Hätte Geibel noch schärfer über diese Forderung nachgedacht, so hätte er sie vielleicht in dem Sinn anders formuliert, dass beim Kunstwerk „schön“ und „sich selber genug“ identisch ist; und in diesem Sinn wird wohl jede Ästhetik, ob sie nun an bestimmte objektive Normen der Schönheit glaubt oder nicht, seiner Forderung zustimmen können. Was hat nun aber in unserem Fall dies „Sich-selbst-genug-Sein“ des Porträts mit dem Umstand zu tun, ob das Bild dem Menschen, der dem Maler „gesessen“ hat, ähnlich sieht oder nicht? Ist zum Beispiel das gewaltige Selbstporträt Dürers, das die Alte Pinakothek in München aufbewahrt, darum ein geringeres Kunstwerk, weil es weniger ein Bildnis im landläufigen Sinn, denn ein Selbstbekenntnis, ein künstlerisch-sittliches Glaubensbekenntnis ist?

Weiterlesen

das Deutsche Holzhaus

aus dem Kunstmuseum Hamburg

A. Einleitung

Holzhäuser sind an und für sich heute nichts Neues, da sie uns von alters her aus den nordischen Ländern, Rußland und Amerika, also Ländern mit weit ungünstigeren klimatischen Verhältnissen als bei uns, bekannt sind. Erst als eine Folge des Krieges hat das Holzhaus in letzter Zeit wieder Verwendung gefunden, aber leider noch nicht in dem Maße, wie die noch immer bestehende Wohnungsnot dies eigentlich fordern würde. Der Mangel an Kohle und die sparsamste Verwendung derselben, auch im Bauwesen, ließen eine Fülle von Ersatz- und Sparbauweisen entstehen, wobei dann auch wieder auf das Holz als Baustoff zurückgegriffen wurde, von welchem in Deutschland noch genügende Mengen vorhanden sind, dank einer umfassenden und gesunden Forstpflege der Vergangenheit.

Gerade das deutsche Holzhaus ist wie keine andere Bauweise geeignet, behagliche Wohnlichkeit und künstlerische Möglichkeiten in zweckentsprechender Ausführung zu vereinigen, die nicht nur alle wohnungs-hygienischen, sondern auch wärmetechnischen Anforderungen erfüllt, welche an die Behaglichkeit und das Wohnkulturbedürfnis gestellt werden müssen. Durch seine dem Material angepaßte, schlichte Formgebung vermeidet das Holzhaus jede Protzerei und den Hang zu äußerlichen Übertreibungen, die vor dem Kriege unsere gesamte Kultur, und damit auch die Architektur, so ungünstig beeinflußt haben.

Das deutsche Holzhaus ist wie keine andere Bauart völlig industriell herzustellen. Die fabrikmäßige Herstellung nicht nur der einzelnen Bauteile wie Türen, Fenster und Treppen, sondern des ganzen Hauses in allen seinen Einzelteilen, kann unter Ausnutzung des Materials derartig organisiert werden, daß tatsächlich unter weitester Anspannung der Maschinen als der raschesten Arbeitskraft die Herstellung von Holzhäusern in kürzester Zeit gewährleistet werden kann. Für die Lieferung eines Holzhauses sind daher je nach Größe des Objektes 5 bis 8 Wochen erforderlich. Von größter wirtschaftlicher Bedeutung ist außerdem, daß die Herstellung des deutschen Holzhauses vollkommen ohne Kohle vorgenommen werden kann, da sich die Sägegatter, Holzbearbeitungsmaschinen und Trockenöfen durch die bei der Fabrikation gewonnenen Abfälle selbst speisen. Die maschinelle Fabrikation im Werke hat aber zur Folge, daß der Aufbau des Hauses an Ort und Stelle nur eine ganz geringe Zahl von Arbeitskräften erfordert und in kürzester Zeit bewerkstelligt werden kann, unter Umständen von ungelernten Arbeitern unter Leitung eines einzigen Fachmannes, welchen das Werk zur Verfügung stellt. Die Errichtung eines Holzhauses geht daher weit schneller vor sich, als bei irgend einem anderen Massiv- oder Halbmassiv-Hause. Von ausschlaggebender Bedeutung ist ferner, daß ein langes Austrocknen, wie bei den Massivbauten, nicht erforderlich ist, so daß das in kurzer Zeit aufgestellte Holzhaus sofort bezogen werden kann.

Weiterlesen