Ein deutsches Spielzeug

aus dem Kunstmuseum Hamburg.

Deutschland ist das Land der Spielwaren

Deutsches Spielzeug hat sich die Herzen aller Kinder und damit die Welt erobert. Diesen Sieg hat ihm auch der Hass nicht rauben können, denn die Kinderherzen wissen nichts von Hass. Als die Alliierten ein Verbot erliessen gegen die Einfuhr deutscher Spielwaren, haben sie nicht mit der unwiderstehlichen Kraft der Kinder gerechnet; die forderten befehlend das liebgewonnene deutsche Spielzeug, sie bestanden auf dieser Forderung und die Eltern mussten wohl oder übel sich ihren Wünschen fügen. Die Kinder wussten nichts vom Hass während des Krieges, sie wollten noch weniger von dem dauernden Hass nach dem Kriege wissen — und so kamen die deutschen Spielwaren als erste Versöhnungszeichen wieder in die „Feindeslande“.

Der Deutsche hat sich nie damit begnügt Spielzeug zu schaffen, das nur dem Spiel und Zeitvertreib diente, er war immer bestrebt dem Kinde Anregung zu geben und den Geist des Kindes zu bilden. So entstanden die beweglichen, dann die mechanischen und schliesslich die wandlungsfähigen Spielzeuge. Das Kind begnügt sich auf die Dauer nicht mit einem toten Gegenstand, der sich immer gleich bleibt, es will unbewusst selbstschöpferisch wirken — es will dem toten Spielzeug Leben einhauchen.

Aus dieser Beobachtung heraus entwickelte sich ein Spielzeug, das bald weltberühmt wurde, das in glücklicher Verbindung Spielzeug und Bildungsmittel ist und durch das die Kinder „spielend“ lernen: der Steinbaukasten. Es gibt kein zweites Spielzeug, das wie dieses die Kinder unterhält, anregt und beschäftigt; das den Kleinsten ebenso Freude bereitet, wie es den Grösseren und Grössten lehrreiche Arbeit bietet.

Die Väter und Grossväter der heutigen Jugend erinnern sich gewiss noch ihrer Baukästen mit den mehr oder weniger ungenauen Holzteilen; damit konnte man besten Falles eine ziemlich primitive Fassade von sehr bescheidener Höhe bauen. Ende der siebziger Jahre kam plötzlich eine Neuheit auf den Markt, die sehr rasch Anklang fand, weil mit diesem neuartigen Material sich Bauwerke aufführen liessen, wie sie die kleinen Architekten nie für möglich gehalten hatten. Die weitere Ausgestaltung des Steinbaukastens gab der Baulust der Kleinen unbegrenzte Möglichkeiten.

Dem Bauspiel der Kinder, dem deutschen Spielzeug überhaupt, soweit es neben dem Spiel belehren soll, fehlte die pädagogische, wissenschaftliche Grundlage, bis in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts der Jugendbildner, Pädagog und Kinderfreund Friedrich Fröbel mit seinen Kindergärten die erste Anregung gab, sich ernster nit dem kindlichen Trieb zum Spielen und Sauen zu beschäftigen. Nicht lange dauerte es, so entstanden an Stelle der laienhaft erlachten und angefertigten Spiel- und Bechäftigungsmittel die wertvolleren Fröbelchen Lehrmittel und Unterhaltungsspiele, teils nach Fröbels Angaben, teils unter Mitwirkung anderer namhafter Lehrer, Künstler und Kinderfreunde. Fröbels langjähriger Mitarbeiter Dr. J. D. Georgens fasste alle diese Versuche zusammen, prüfte und ordnete sie.

Die Spielmittel wurden in den Handel gebracht und die kaufmännische und technische Leitung übernahm Dr. Friedrich Adolf Richter in Rudolstadt, Thüringen; unter seiner Leitung erschienen uch die Kindergartenbücher und neben diesen wurden die sogenannten „Justinischen Ansatzspiele“, das Täfelchenlegen und Dambrettsteine aus fester Steinmasse als Fröbelsche „Gaben“ herausgebracht. Es brachen hier also schon zum ersten Mal die Versuche auf, Bauelemente aus künstlicher Steinmasse anzufertigen.

Das freundschaftliche Verhältnis zwischen Georgens und Richter brachte es mit ich, dass beide Herren sich dauernd mit er Erkenntnis beschäftigten, wie wenig doch die Jugend bei der Beschäftigung mit den Holzklötzen lernte und wie gering der ewünschte Erfolg bei der Ausbildung im Bauen sein musste, da weder die einzelnen Hölzer selbst noch die Vorlagen den bescheidensten wissenschaftlichen, erzieherischen nd künstlerischen Ansprüchen genügten.

S0 erwuchs von selbst der Wunsch, das Holz durch den gleichmässigen, festen, gewichtigen, bunten Stein zu ersetzen und ihn seinen einzelnen Formen den bauwissenschaftlichen und baufachlichen Forderunen anzupassen, nach dem Grundsatz, dass die Kinder im Spielen zugleich unbewusst lernen und deshalb immer nur richtiges, lebenswahres Spielzeug fürs Bauspipl erhalten dürfen. Dr. Richter war es, der in den siebziger Jahren in seinem chemischen Versuchsraum unermüdlich von Versuch zu Versuch schritt, bis es ihm gelang, eine Masse zu finden, die den strengsten Ansprüchen genügte. Der Steinbaukasten war geboren!

Es würde zu weit führen, die Weiterentwickelung des Steinbaukastens in allen Einzelheiten zu geben; was sich heute mit diesem „Spielzeug“ an Miniaturbauten leisten lässt, ersieht der Leser aus den beigegebenen Abbildungen. Wir machen hier besonders auf das Modell der St. Agneskirche New York aufmerksam, das Prof. Stephen A. Hurlbut von New York, ein begeisterter Freund und Verehrer von Richters Anker-Steinbaukasten hergestellt bat. Die Nachbildung entspricht bis in die kleinsten Einzelheiten dem Original. Die Höhe des Kirchenmodells beträgt bis zu den Firsten der Seitenflügel 45 cm (16 Zoll), bis zum Kreuz des Mittelbaues 68 cm (24 ½ Zoll) und bis zur Spitze des Turmes 95cm (34 Zoll)

Dr. Richters Motto war:

„Für die Kinder ist das Beste gerade gut genug!“— er hat diesen Wahlspruch durch seine Raukästen bekräftigt. Dieser deutschen Erfindung hat keine andere Nation gleichwertiges an die Seite zu stellen; sie ist nur ein weiterer Beweis, dass Deutschlands Herrschaft auf dem Gebiete der Spielwaren unbestritten ist.

Siehe auch:
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Bismarck und seine Hunde
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