die Quellen der germanischen Mythologie

aus dem Kunstmuseum Hamburg.

Über dem Beginn der griechischen Geschichte steht wie ein Morgenrot die homerische Poesie.

Hellenische und asiatische Fürsten verlassen ihre schimmernden Stadtpaläste, um zehn Jahre hindurch auf dem Gefilde zwischen dem schiffbedeckten Gestade, Priams hoher Feste und dem waldigen Idagebirge um schöne Weiber, Waffen, Schätze und Ruhm mit einander zu ringen. Dann fahren sie von Trojas rauchenden Trümmern in ihren dunklen Schiffen heim, manche von Insel zu Insel, von einem Abenteuer zum andern verschlagen, bis in die Tiefe des Hades hinab. Über alles ragt der Berg Olympos, auf dessen Gipfel unter Vater Zeus Lenkung die glanzvolle Götterfamilie wohnt, ewig und selig und doch oft von Liebe und Haß unter sich entzweit und in Liebe und Haß dem Treiben der Sterblichen dort unten zugewandt. So schwingen sie sich denn auch hilfreich oder verderblich zu ihnen herab oder empfangen droben den Fettdampf ihrer reichen Schlachtopfer oder die Gebete, die aus einfachen Tempeln zu ihnen aufsteigen. Auf einer nicht weiten und fest umrissenen Bühne, den Wogen und Inseln und Küsten des östlichen Mittelmeers, bewegen sich diese Menschen und diese Götter, nach Alter und Geschlecht, Geburt und Schicksal, Wuchs und Gemüt, Rang und Beruf scharf von einander geschieden. Ihre klare, milde, freie Schönheit, die reife und doch so frische Frucht einer langen Kultur, erquickt uns fremde Ungläubige noch heute, und ihr phantastisches Bild schwebt noch heute uns vor Augen wie eine zwar zerronnene, einst aber lebendig gewesene Wirklichkeit.

Und nach Homer verkündeten den Glauben an diese Wunderwelt und viele andere Götter und Dämonen und ihre mannigfachen Schicksale, Dienste und Feste Hunderte von hochbegabten Dichtem, Geschichtschreibern, Reiseschriftstellern und fast lauter noch zahllose Baumeister, Bildhauer und Vasenmaler durch unvergleichliche Werke, jeder in seiner, jeder aber in echt griechischer Weise. Schier unerschöpflich fließen die reinen Brunnen hellenischer Überlieferung.

Der Urkundenschatz unsrer germanischen Mythologie ist weit ärmer an alten, vollen heimischen und echt heidnischen Zeugnissen und ist untermischt mit viel fremdem Gut. Denn er ist bunt zusammengesetzt aus Berichten römischer Offiziere, Inschriften fremder Steinmetzen, Straf- und Bußparagraphen kirchlicher Synoden und Mönchsorden und aus Anekdoten christlicher Bekehrungsgeschichten, aus deutschen Zaubersprüchen, nordischen Götterliedern und isländischen Romannotizen, aus noch heute nicht verschollenen Sagen und still geduldeten Bräuchen unsrer Bauern. Es fehlt ein klares, echtes zusammenfassendes Bild, denn die altnordische Völuspa, die von der Götterdämmerung singt, ist voller Rätsel und noch dazu aus christlichen Ideen erwachsen; es fehlt auch fast völlig der Schmuck der Bildnerei. Aber überall, wo er nicht zu stark verschüttet ist, bricht auch aus germanischem Boden ein reicher Strom von Glaubenspoesie hervor, die denn doch trotz aller Renaissance und allem Humanismus uns oft tiefer ergreift als alle andre Heidenpracht, weil sie aus einem Geist geboren ist, von dem wir noch immer einen Hauch in uns selber verspüren.

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Robert Bosch / Treue zum Werk

aus dem Kunstmuseum Hamburg


Als der Mechanikus Bosch 1887 im Hinterhaus der Rotebühlstraße 37b in Stuttgart Besuch bekam, ahnte er noch nicht, welche Folgen dieses Ereignis haben würde. Ein gewisser Herr Daimler kam mit einem besonderen Anliegen. Er wollte keine Klingelanlage, wie Bosch sie mit seinem Gesellen und seinem Laufjungen sonst in Wohnhäusern und Gasthöfen entrichtete. Der Besucher, der trotz seines vor vier Jahren geschaffenen ersten schnelllaufenden Verbrennungsmotors und des ersten Motorrades, das er danach baute, noch lange nicht der weltberühmte Mann war, wollte einen Zünder für seine ortsfesten Benzinmotore. Ob Bosch ihm diesen Apparat konstruieren würde? —

Der Bauer und Kronenwirt Servatius Bosch von Albeck bei Ulm hatte Robert, sein achtes Kind, zu einem Mechaniker und Optiker in Ulm 15 jährig in die Lehre gegeben. Das war aber nicht etwa Roberts Wunsch gewesen. Ihm hatte der Sinn nach den Naturwissenschaften gestanden, besonders der Botanik. Doch des Vaters Spruch hatte ihn gezwungen, sich mit den Anfangsgründen der Feinmechanik ebenso wie mit der Einrichtung elektrischer Telephon- und Lichtanlagen vertraut zu machen. Nach seiner Dienstzeit bei den Pionieren in Ulm finden wir ihn bei Schlickert in Nürnberg und — von Hause aus bemittelt und somit besonders ungebunden — in den Vereinigten Staaten.

Mit der schwäbischen Gründlichkeit und Zähigkeit hat sich Bosch dann der Anregung Daimlers gewidmet. Gewiß gab es Vorbilder in den Zündern, z. B. an den Deutz-Motoren. Trotzdem war das, was Daimler wünschte, eine konstruktiv neue Aufgabe. So entstand noch im Jahre 1887 der erste Bosch-Niederspannungs-Magnetzünder mit Abreißvorrichtung, dem neun Jahre später der tausendste folgte. 1901 zog Robert Bosch in das neuerbaute Fabrikgebäude, in dem seine nun 45 Arbeiter gegen Mitte des Jahres den zehntausendsten Magnetzünder fertigstellten, während daneben bereits Versuche mit einem neuartigen Hochspannungszünder anliefen.

So arbeitet Bosch mit Energie, ja Leidenschaft. Nicht die Leistung schlechthin, die überdurchschnittliche Leistung erhebt er zum Prinzip, zum Prinzip, das später unter dem Namen „Bosch-Qualität“ seinen Erzeugnissen den Weltmarkt öffnet. Mit den Erzeugnissen Geld verdienen? Gewiß, die Arbeiter und Werkstoffe müssen bezahlt werden. Doch „lieber Geld verlieren als Vertrauen“ — ein Grundsatz, der ihn auf seinem Wege zum Großunternehmer und Wirtschaftspionier unabdingbar begleitet, mit all der elastischen Konsequenz, die gerade den Schwaben kennzeichnet, und die Robert Bosch im Verein mit seinen charakterlichen Eigenschaften zu einem der erfolgreichsten Unternehmer Deutschlands macht.

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Yamato

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Yamato ist der Name einer japanischen Landschaft. Da aus diesem Raum hervorragende japanische Soldaten hervor gegangen sind, ist der Name Yamato ein Sinnbild für Tapferkeit und Pflichterfüllung geworden. Nichts läßt sich von einem fremden Volk auf das eigene übertragen. Aber lernen können mir aus dem japanischen Beispiel, mie Tapferkeit und Mut im religiösen Grundgefühl wurzeln.

Es geschah im Jahre 1932 westlicher Zeitrechnung, daß ein japanischer Major, bei den Kämpfen um Schanghai schwer verwundet, die Besinnung verlor und so das Unglück hatte, in die Hände des Feindes zu fallen. Durch die vorrückenden japanischen Truppen wurde er hernach wieder befreit und zurückgeführt. Eines Tages war in der Presse zu lesen, daß der Major gerade auf dem Schauplatz der Kämpfe, in deren Verlauf er gefangengenommen worden war, sich den Freitod gegeben hatte.

Was vermittelt uns dieses Vorkommnis? — Nur weil er verwundet und besinnungslos lag, war der Offizier gefangengenommen worden; war das eine Schande für einen Krieger? Warum bereitete er seinem Leben ein Ende, statt sich weiter für das Vaterland einzusetzen und ihm mit seinen Kenntnissen, seiner Erfahrung, seinem Mut und seinem Geist zu dienen? — Nur aus dem Yamnto-Geist her, jenem Geist des japanischen Menschen, ist seine Handlungsweise zu erklären.

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Die Visionen des großen Königs

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Der Tod begleitete mit einladender Geste den Weg, auf dem Offiziere und Soldaten ihren todwunden König Friedrich trugen, ihn aus dem Fährhause bei Ötscher hinüber über die Oderbrücke nach dem Schlosse Reitwein zu bringen. Als er auf der Bettstatt lag, ganz allein im düsteren Raum (die Offiziere besprachen im Nebenzimmer das Unglück des Tages), pochte der Tod beim König an:

Folge mir, verlaß den Weg des Leidens und der Qualen. Ausruhen sollst du von den Mühsalen des Lebens. Siehe, ich schenke dir Ruhe und Frieden.

Des Königs Gedanken kreisten um das Blutbad von Kunersdorf, er vernahm im Geiste das Lärmen der Schlacht, fühlte die vereinigte Streitmacht der Russen und Österreicher heranfluten, feuerte sein Heer zum Kampfe an, mußte aber doch erkennen, daß der Hunde dort zu viele waren, die das edle Wild zu Tode hetzen wollten. Für einen Augenblick kam das volle Bewußtsein zurück. Die zittrige Hand ergriff ein Blatt und brachte den Befehl an den General Fink zu Papier.

Als der General an das Krankenlager trat, bewegten sich die blassen Lippen des Königs. Er suchte mit letzter Kraft die Zeilen des Blattes zu wiederholen:

„Die unglückliche armée, so ich Ihm übergebe, ist nicht mehr im Stande, sich mit den Russen zu schlagen… Wen Laudon nach Berlin wolte, Solchen könte Er unterwegens attaquiren und Schlagen. Solches, wo es guht gehet, gibt dem ungelük einen anstandt und hält die Sachen auf. Zeit gewonnen ist Sehr vihl bei dißen desparaten Umständen.“ —

Der König liegt allein. Dunkelheit füllt den Raum, und in ihr werden aufs neue die Stunden der unseligen Schlacht wach: In dem Fiebertraum stürzen Pferde, sterben Krieger, in den Ohren braust der gelle Ruf des Kampfgewühls.

Da heben sich die Augenlider, der Blick fällt in den Spiegel an der Wand: Der König schaut ein weißes Angesicht und im Schatten tiefer Höhlen verglimmende Augen. Ein Schrei möchte sich der Kehle entringen. Der Tod legt die Hand auf die Schulter des Königs und spricht leise, ganz leise, gütige Worte, um ihn aus dem qualvollen Leben des ewigen Kampfes zu locken.

Das Herz schlägt matt. Der König hat seit der verlorenen Schlacht nichts mehr an Speise und Trank zu sich genommen. So hat die Erscheinung des Todes es leicht, den Gedanken ans Sterben zu nähren. Ein ermatteter Leib ist rascher bereit, das Leben aufzugeben. —

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