Friedhofkunst

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Vorwort.

Das über Erwarten rege Interesse, das die von der Rheinischen Bauberatung veranstaltete Wanderausstellung für „Friedhofkunst“ findet, gab uns zunächst die Anregung, einem Beschlüsse der Vereinigung Rheinischer Bau beratungssteilen folgend, das für die Wanderausstellung hergestellte kleine „Geleitheft“ als solches weiter auszugestalten. Die dieserhalb eingeleiteten Verhandlungen führten jedoch zu dem erheblich weitergehenden Plane, das überaus reiche und wertvolle Material, das die Ausstellung birgt, zu einer auch für weitere Kreise bedeutsamen Veröffentlichung von Friedhofsanlagen, Friedhofsschmuck, Grabdenkmälern aus älterer und neuerer Zeit u. dgl. zu verwerten.

Das Hauptgewicht bei dem hier vorliegenden Werke ist auf das Bildermaterial gelegt. Textlich haben wir unter Beibehaltung der Gruppeneinteilung in der Wanderausstellung aus dem obengenannten „Geleitheft“ die Ausführungen des Herrn Geheimen Baurat Heimann in Köln übernommen. Wenn wir weiter eine Denkschrift über Friedhofanlagen und Friedhofordnungen abdrucken, die für noch ausstehende, besondere Erwägungen der Rheinischen Bauberatungsstelle von Herrn Professor Klotzbach in Barmen verfaßt wurde, und wenn wir im Anschluß hieran die für Essen und Duisburg bereits erlassenen Friedhofs Vorschriften beifügen, so geschieht dies lediglich, um auch weiteren Kreisen auf diesem Gebiete vielleicht willkommene Anregungen zu bieten.

Wir hegen den Wunsch, daß diese unsere Veröffentlichung in ihrer jetzigen Gestalt bleibenden Wert behalten und nicht nur den beteiligten Fachleuten und Behörden recht erwünschte Anregungen geben, sondern auch der Bevölkerung selbst reiche Belehrung in ästhetischer und praktischer Richtung darbieten möge.

Düsseldorf, im September 1915.

Rheinische Bauberatungsstelle.

Regierungs-Präsident a. D. zur Nedden, Landesbaurat Baltzer,

Vorsitzender. stellvertretender Vorsitzender.


Zum Geleite.

Schwere Zeit ist über Deutschland hereingebrochen, schwerere, als seine Bewohner sie je zuvor erlebt haben, das Völkerringen eines Weltkrieges.

Die Stämme unseres Vaterlandes haben sich einmütig gegen die Feinde ringsum erhoben, frevelhafte Herausforderung zum Kampf mit wuchtigem Schwerthieb erwidert, „Gott mit uns“ zum Schlachtruf erhoben und, geschirmt von der Waffe unablässigen inbrünstigen Gebetes, die Fahnen siegreich jenseits der Marken des Reiches entfaltet.

Daheim hält die Begeisterung für solche Taten an, aber in sie mischt sich auch Jammern und Klagelaut: der Tod hält reiche Ernte auf dem Felde der Ehre, und was er an blühenden Menschenleben alles dahingemäht oder in langsam verblutenden Wunden entrissen hat, wird dem dunklen Schoße heimatlicher Erde auf immer anvertraut.

Nicht nimmt es wunder, daß in der Kriegszeit das Volk mehr als in den Tagen des Friedens sich dem Ruheplatz der Toten zuwendet, in weihevoller Stille Erhebung und Trost sucht, an den Gräbern sich der Erinnerung voll Liebe und Dank an diejenigen hingibt, die drunten schlummern.

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