Die Zeitalter der Chemie : Die philosophischen Anschauungen der Griechen und die Frage nach den Elementen

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Zweiter Abschnitt

Wenn auch die geistige Richtung der Griechen immer mehr um sich griff, so wurde die Chemie doch sehr stiefmütterlich behandelt und machte infolgedessen keinen Fortschritt. Der Grund hierfür ergibt sich aus Mangel an Beobachtung der Griechen. zumal sich die Chemie doch auf Tatsachen stützt und ihr Studium Auffindung und Betrachtung von Tatsachen ist. Bedenkt man, daß die ersten Tatsachen dieser wissenschaftlichen Richtung aus den seiner Zeit betriebenen Künsten mid Gewerben entlehnt winden, hierbei aber die Manipulationen, die das Material bei vorbereitenden Arbeiten erregte, nicht das Interesse fanden, welches zu der wissenschaftlichen Erkenntnis der gemachten Beobachtungen erforderlich war, so ist das eine gewisse Indolenz natürlichen Vorgängen gegenüber, ein charakteristisches Merkmal der Maturbetraektung der Alten. Statt Versuche mit den Naturprodukten anzustellen, wurde vielmehr die Interpretation zu Hilfe gerufen, und auf die oberflächlichsten Beobachtungen hin entstanden Meinungen, die die Macht von Lehrsätzen erhielten, weil solche von angesehenen Männein geäußert wurden. Von den schönen Künsten wurde nur der ästhetische Teil betrieben, und die geistige Kraft der Griechen erstreckt sich nur auf Poesie, abstrakte Philosophie und politische Geschichte.

Die Medizin war schon in frühester Zeit in Griechenland zu einer großen Blüte gelangt; jedoch beschäftigten sich nur wenige mit dieser Wissenschaft, und die Wenigen kommen für die Chemie gar nicht in Betracht.

An dieser Stelle können wir einige Namen von berühmten Ärzten, deren Heilmittel noch heute bekannt sind, nicht unerwähnt lassen. —

Es sind dies: Chion Asklepios 1300 v. Chr., Hippokrates 500 v. Chr., Galenus 131 n. Chr.

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Die Zeitalter der Chemie : Die ersten Erkenntnisse von der Materie

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Erster Abschnitt

Betrachtet man den heutigen gewaltigen Ausbau der wissenschaftlichen Chemie mit ihren unübersehbaren Seitendisziplinen, so muß man sich sagen, daß diese kolossale Geistesarbeit nicht erst seit dem 18. Jahrhundert entstanden sein kann, sondern daß schon vor dieser Zeit große chemische Forscherarbeit geleistet sein mußte. Vornehmlich sind es alte griechische Erinnerungen, die uns bei einer Betrachtimg dieses Kapitels den Stoff geben. Bezüglich der Quellen sind wir zum Teil auf Gräberfunde, zum Teil auf einzelne Stellen alter Autoren angewiesen.

Von letzteren kämen hauptsächlich in Betracht: Theophrastos 371—286 v. Chr., ein Schüler des Plato und des Aristoteles; von ihm ist uns ein Werk über Mineralien erhalten; dann von den späteren: der Grieche Dioskorides (Mitte des 1. Jahrhunderts n. Ohr.) und der Römer Cajus Plinius Secundus (der ältere Plinius), welcher 23 n. Chr. geboren wurde und beim Ausbruche des Vesuvs zu Pompeji im Jahre 79 umkam. Aristoteles kommt hier weniger in Erwähnung, und wir werden im zweiten Teile ausführlich auf ihn zurückkommen. Sehr wichtig ist vor allem das Sammelwerk des Plinius, die große „naturalis historia“, weil uns dieselbe einen ziemlichen Überblick über die antike Naturkenntnis gestattet; leider aber wissen wir gar oft Benennungen nicht zu deuten, weil ihr Sinn sich geändert hat, und geraten hierdurch in mannigfache Zweifel. Von den in der Natur vorkommenden Rohstoffen sind die Metalle am frühesten genauer bekannt geworden.

Bevor wir uns jedoch mit der „naturalis historia“ befassen, möchten wir in großen Zügen einiges über die Kenntnisse der alten Völker vorausschicken.

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