Die deutsche Flagge Übersee

aus dem Kunstmuseum Hamburg


Die deutsche Flagge hat sich auf dem Meere und in überseeischen Ländern eine achtunggebietende Stellung erworben. In allen Gewässern der Welt, in allen namhaften Häfen begegnet man heute den deutschen Farben schwarz-weiss-rot. Zahllose Schiffe verschiedenster Art: Kriegsschiffe, Postdampfer, Handelsschiffe führen den fremden Völkern fort und fort vor Augen, dass das Deutsche Reich sich seinen Platz auf dem Ozean errungen hat und ihn festzuhalten gedenkt. Unsere Flagge ist draussen allenthalben wohlbekannt, in der Heimat aber kennt man sie in ihren verschiedenen Arten nur an der Waterkant. Es darf beileibe nicht jedes Schiff dieselbe Flagge führen, man unterscheidet vielmehr scharf zwischen der Kriegsflagge und der Handelsflagge.

Die Reichskriegsflagge, die Bild 1 zeigt, führen sämtliche Kriegsfahrzeuge, die sich im Dienst befinden, und alle Küstenbefestigungen, wenn sie bemannt sind. Diese Flagge wird am Heck (Hinterteil) des Schiffes angebracht. Liegen die Kriegsschiffe vor Anker, so setzen sie an Sonn- und Feiertagen am Bug (Vorderteil) die „Gösch“, eine gleichmässig schwarz-weiss-rote Flagge, die in der Mitte des weissen Feldes ein Eisernes Kreuz zeigt. Besondere Flaggen wieder lassen erkennen, welche Kriegsschiff Führer von besonderem Rang bergen.

So hat der Kaiser eine besondereFlagge,der Grossadmiral, der Admiral usw. Alle anderen Fahrzeuge der Kriegsmarine, Arbeits- und Lotsenfahrzeuge,führen die Marinedienstflagge (Bild 13), d. h. die Reichsdienstflagge mit dem besonderen Abzeichen der Marine, dem Anker und der Krone.

Die Reichsdienstflagge mit verschiedenen Abzeichen gilt für alle Reichsbehörden. Das Auswärtige Amt und die ihm unterstellten Dienststellen, Gesandtschaften und Konsulate führen im weissen Feld dieser Flagge den Adler (Bild 2). Dieselbe Flagge weht auch von allen Dienstgebäuden der Kolonialverwaltung daheim und in den Schutzgebieten. Die Dienstflagge der Reichspostverwaltung, die Reichspostflagge (Bild 15), zeigt im weissen Feld ihr Abzeichen, das Posthorn mit der Krone. Uebersee wird diese Flagge auf allen Postanstalten in den Schutzgebieten und anderen der deutschen Reichspostverwaltung unterstellten Anstalien in fremden Gebieten, z. B. in Marokko und China, gehisst. Ebenso werden durch sie alle Reichspostdampfer kenntlich gemacht, d. h. Schiffe der regelmässigen Dampferlinien, die zur Beförderung der Post durch Subvention des Reiches verpflichtet sind.

Alle Handelsschiffe, wenn sie im ausschliesslichen Eigentum von Reichsangehörigen stehen, oder von juristischen Personen, die ihren Sitz im deutschen Reichsgebiet haben, dürfen am Heck die deutsche Reichsflagge als Handelsflagge (Bild 14) führen. Unter Handelsschiffen im Sinne des Gesetzes versteht man „die zum Erwerbe durch die Seefahrt bestimmten Schiffe mit Einschluss der Lotsen-, Hochseefischerei-, Bergungs- und Schleppfahrzeuge“. Ausserdem ist es aber mit Einschränkungen auch anderen Fahrzeugen erlaubt, die deutsche Flagge zu führen, z. B. Schiffen, die zu wissenschaftlichen Reisen bestimmt sind, ferner Binnenschiffen, die auf fremden Flüssen verkehren, z. B. den deutschen Schiffen auf einigen chinesischen Flüssen.

Voraussetzung für die Führung der Flagge ist die Eintragung oer Schiffe ins Schiffsregister oder für kleine Schiffe bis zu 50 cbm Raumgehalt die Erteilung des Flaggenattestes. Das Führen einer anderen Flagge als der zuständigen wird genau so angesehen, wie die Fälschung von Papieren. Führt ein Schiff die Reichsflagge, ohne dazu berechtigt zu sein, so verfällt der Führer einer Geldstrafe bis zu 1500 Mark oder einer Gefängnisstrafe bis zu 6 Monaten. Auch kann auf Einziehung des Schiffes erkannt werden, ohne Unterschied, ob es dem Verurteilten selbst gehört oder nicht. Diese scharfe Kontrolle über die Berechtigung zur Führung der deutschen Flagge ist durchaus berechtigt, denn diese ist das Zeichen, dass das Schiff unter deutscher Staatsgewalt und deutschem Schutze steht. Das Deutsche Reich ist also bis zu einem gewissen Grade für die Schiffe verantwortlich, die unter seiner Flagge fahren.

Neben der Nationalflagge führen noch viele Schiffe die Hausflagge der Reederei, der sie angehören. Die Reedereiflaggen werden im Gegensatz zur Nationalflagge auf den Mast der Schiffe gehisst Bemerkenswert ist, dass die Mehrzahl dieser Flaggen, soweit die betreffenden Gesellschaften nicht vor Gründung des Deutschen Reiches entstanden sind, die Nationalfarben schwarz-weiss-rot in irgend einer Form oder Zusammenstellung zugrunde liegen. Dies gilt für die „Hansa“ (Bild 7), die Hamburg-Südamerikanische Dampfschiffahrts-Gesellschaft (Bild 8), die Deutsch-Australische Dampfschiffahrts-Gesellschaft (Bild 10), die Deutsche Levante-Linie (Bild 11) und die Deutsche Ostafrika-Linie (Bild 12).

Neben den Flaggen dieser Reedereien gibt es Uebersee noch zwei deutsche Hausflaggen, und zwar diejenigen grosser Kolonialgesellschaften, der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft und der Neu-Guinea-Kompagnie, die einst Hoheitsrechte in ihrem Gebiet besassen, bis das Deutsche Reich die Verwaltung selbst übernahm. Ihre Flaggen, die damals vom Reich anerkannte Dienstflaggen waren, haben heute, wie gesagt, nur noch die Bedeutung von Hausflaggen.

Aus Vorstehendem geht wohl genugsam hervor, dass die Flaggen im Seeverkehr eine wichtige Rolle spielen und nicht lediglich dekorativen Zwecken dienen. Wer heute eine Seereise unternehmen will, darf sich daher wohl vorher über die Bedeutung der verschiedenen Flaggen unterrichten.






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