Faschisten in Rom

aus dem Kunstmuseum Hamburg.


Die ganze letzte Oktoberwoche hatte die Bevölkerung von Rom den Einzug des Fascistenheeres erwartet. Viele hatten geglaubt dass die von Norden nach Neapel zum grossen Fascistentag rollenden Züge einfach in der Hauptstadt Halt machen und die Legio neu auf den römischen Bahnhöfen ausschiffen würden. Aber diese Gelegenheit ging ohne Zwischenfall vorüber. Die Regierung hatte starke Vorsichtsmassregeln getroffen und die Fascisten selbst hatten ihre Plane auf einen späteren Termin verschoben. Wohl hatten viele Züge in Rom einen längeren Aufenthalt, den die Fascisten dazu benutzten, sich die Hauptstadt anzusehen, so dass die schwarzen Hemden viel zahlreicher als sonst in den Strassen zu sehen waren, aber sie waren unbewaffnet und zogen nach kurzem Aufenthalt nach Neapel weiter. Auch die Rückkehr ging ohne Zwischenfälle vor sich.

Der erste Alarm verbreitete sich in Rom am Freitag Abend (27. Oktober), als das „Giornale d’ltalia“ die Nachricht brachte, dass die Fascisten in Pisa und anderen toskanischen Städten zu mobilisieren begonnen hätten und auf die Hauptstadt losmarschierten. Nachts aber hörte man Polizei-Patrouillen durch die Strassen reiten und als ich am nächsten Morgen zum Tiber kam, sah ich an den Brücken starke Wachen mit auf gepflanztem Gewehr neben Drahtverhau Böcken aufgezogen. Ausserdem waren solche Abwehr-Massregeln in grösserem Massstabe schon am Bahnhofe und auf dem Quirinalplatze getroffen worden. Das Volk betrachtete sie mehr neugierig als ängstlich und das Leben ging vorläufig seinen ruhigen normalen Gang weiter. Inzwischen über nahm die Militärbehörde den Schutz der öffentlichen Ordnung und liess den Verkehr der Trams und Automobile einstellen, so dass Rom, dessen zu enge Strassen in nor malen Zeiten von Fahrzeugen aller Art überfüllt sind., einen ungewohnt leeren und ruhigen Eindruck machte, auch als die ersten Fascistenscharen eingetroffen waren.

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Ku-Klux-Klan

aus dem Kunstmuseum Hamburg.

Mitglieder des Ku-Klux-Klan um das Flammenkreuz geschart.

Der Ku Klux Klan, welcher in den 18 Sechziger- und Siebziger Jahren im Süden des Landes sein Unwesen trieb und dem unzählige, durch das fünfzehnte Bundes-Amendement frei gewordene Neger zum Opfer fielen, und trotz aller Gegenmassregeln in jenem Teile des Landes nie gänzlich ausgestorben war, hat in jüngster Zeit wieder in beängstigender Weise sein Haupt erhoben und scheint seine Tätigkeit, die sich früher fast ausschliesslich auf Neger erstreckte, auch auf andere Einwohner des Landes und zwar in allen Teilen desselben ausdehnen zu wollen. In welch’ herzloser Weise diese fanatische Brüderschaft damals im Süden hauste, mag folgendes Erlebnis, welches in allen seinen Teilen auf Tatsachen beruht, veranschaulichen.

Es war zu Beginn der Siebziger Jahre des verflossenen Jahrhunderts als eine Anzahl deutscher Einwanderer, welche mittellos in New Orleans gestrandet waren, durch verlockende Versprechungen, von denen die meisten nicht eingehaltcn wurden, durch Vermittelung eines zungengewandten deutschen Adeligen nach einer Baumwollen-Plantage im Innern des Staates Louisiana gelockt wurden, um dort für die Hälfte der Ernte zu arbeiten. Den Ankömmlingen wurden zur Wohnung alte Blockhäuser angewiesen, die früher von Farbigen bewohnt und mit Ungeziefer reichlich behaftet waren. Der Eigentümer der Plantage lieferte die zur Bearbeitung des Landes nötigen Maulesel und das Futter für die mit Bezug auf den Frass nicht sehr wählerischen Tiere, und der Besitzer des in der nächsten Ortschaft befindlichen „General Store“ (solche wurden im Süden fast ausschliesslich von Israeliten betrieben) borgte den Leuten bis zur nächsten Baumwollernte die nötigen Lebensmittel. Die Neger auf den benachbarten Plantagen arbeiteten zu denselben Bedingungen, da sie jedoch des Lesens und Schreibens unkundig waren, steckten sie, nachdem sie ihre Baumwolle an den Besitzer des „General Store“ abgeliefert hatten, regelmässig noch in Schulden.

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Zentrale „China“

aus dem Kunstmuseum Hamburg.

Die chinesische Telephonzentrale in San Francisco. (Aussen- und Innenansicht.)

In den Vereinigten Staaten leben derzeit 61,000 Chinesen und 111,000 Japaner, davon entfallen auf den Staat Californien 28,000 Chinesen und 72,000 Japaner. Bemerkenswert ist hierbei, dass die chinesische Bevölkerung des Landes in den letzten zehn Jahren um 15 Prozent abgenommen und die japanische um 55 Prozent zugenommen hat.

San Francisco ist der Hauptsammelpunkt der Gelben, dort haben sie noch ihre eigene „Stadt“, ihre eigenen Viertel, in denen sie abgesondert von den Weissen ihr Leben nach ihren heimatlichen Bräuchen und Gepflogenheiten leben. Das bedeutet indessen nicht, dass sie sich allen modernen Einflüssen und den amerikanischen Neuerungen verschliessen. Ganz im Gegenteil: in ihrer scheinbaren Teilnahmslosigkeit sind sie scharfe Beobachter und mit dem ihnen eigenen raschen Auffassungsvermögen nehmen sie von ihren weissen Mitmenschen alles an, was ihnen gut und wertvoll erscheint, um es später nach ihrer Heimat zu verpflanzen. Sie, die Jahrhunderte und Jahrtausende in selbstzufriedenem Nichtstun stillgestanden hatten und von Fortschritt nichts wussten, nichts wissen wollten, sind ausserordentlich gelehrige Schüler — sie lernen rasch und gründlich. Es ist als ob die lange Ruhe ihren Geist geschärft und ihren Fleiss gestärkt habe.

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die Berliner Polizei

aus dem Kunstmuseum Hamburg.

Im Urteil des New Yorker Polizeikommissars RICHARD ENRIGHT.

Polizeikommissar RICHARD ENRIGHT hat sich in Berlin bereits in Worten höchsten Lobes über die dortige Polizei geäussert; er war Augenzeuge der grossen Demonstration „zum Schutze der Republik“, er sah die Hunderttausende in musterhafter Ordnung und mit tiefem Ernste gegen die Intriguen und Ränke der monarchischen Klique protestieren und bewunderte die Massen, die ohne nennenswertes Polizeiaufgebot, selbst dafür sorgten, dass keinerlei Ruhestörungen oder Ausschreitungen vorkamen. Das amerikanische Volk ist bekannt für seine tadellose Haltung bei Massendemonstrationen und grossen Ansammlungen; Kommissar Enright hielt indessen mit seinem Lob für die Berliner nicht zurück, weil dort diese „Selbstzucht“ der Massen fast ohne jede Polizeiaufsicht geschah, während hier doch immer der Blaurock dabei sein muss, wenn auch nur pro forma.

Kommissar Enright hat die Berliner Polizei während seines Aufenthaltes bis in’s Kleinste studiert und die Summe seines Studiums im folgenden zusammengefasst:

„Ich traf am 2. Juli in Berlin ein, gerade rechtzeitig, um der grossen Protestkundgebung gegen die monarchischen Umtriebe am 4. Juli beizuwohnen.

An diesem Tage wurde in allen Geschäften um ein Uhr mittags der Betrieb eingestellt, und Eisen- und Strassenbahnarbeiter, Droschkenkutscher, Kellner, Küche, Büro- und andere Angestellte gingen bis 6 Uhr abends an den Streik.

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