das Deutsche Holzhaus

aus dem Kunstmuseum Hamburg

A. Einleitung

Holzhäuser sind an und für sich heute nichts Neues, da sie uns von alters her aus den nordischen Ländern, Rußland und Amerika, also Ländern mit weit ungünstigeren klimatischen Verhältnissen als bei uns, bekannt sind. Erst als eine Folge des Krieges hat das Holzhaus in letzter Zeit wieder Verwendung gefunden, aber leider noch nicht in dem Maße, wie die noch immer bestehende Wohnungsnot dies eigentlich fordern würde. Der Mangel an Kohle und die sparsamste Verwendung derselben, auch im Bauwesen, ließen eine Fülle von Ersatz- und Sparbauweisen entstehen, wobei dann auch wieder auf das Holz als Baustoff zurückgegriffen wurde, von welchem in Deutschland noch genügende Mengen vorhanden sind, dank einer umfassenden und gesunden Forstpflege der Vergangenheit.

Gerade das deutsche Holzhaus ist wie keine andere Bauweise geeignet, behagliche Wohnlichkeit und künstlerische Möglichkeiten in zweckentsprechender Ausführung zu vereinigen, die nicht nur alle wohnungs-hygienischen, sondern auch wärmetechnischen Anforderungen erfüllt, welche an die Behaglichkeit und das Wohnkulturbedürfnis gestellt werden müssen. Durch seine dem Material angepaßte, schlichte Formgebung vermeidet das Holzhaus jede Protzerei und den Hang zu äußerlichen Übertreibungen, die vor dem Kriege unsere gesamte Kultur, und damit auch die Architektur, so ungünstig beeinflußt haben.

Das deutsche Holzhaus ist wie keine andere Bauart völlig industriell herzustellen. Die fabrikmäßige Herstellung nicht nur der einzelnen Bauteile wie Türen, Fenster und Treppen, sondern des ganzen Hauses in allen seinen Einzelteilen, kann unter Ausnutzung des Materials derartig organisiert werden, daß tatsächlich unter weitester Anspannung der Maschinen als der raschesten Arbeitskraft die Herstellung von Holzhäusern in kürzester Zeit gewährleistet werden kann. Für die Lieferung eines Holzhauses sind daher je nach Größe des Objektes 5 bis 8 Wochen erforderlich. Von größter wirtschaftlicher Bedeutung ist außerdem, daß die Herstellung des deutschen Holzhauses vollkommen ohne Kohle vorgenommen werden kann, da sich die Sägegatter, Holzbearbeitungsmaschinen und Trockenöfen durch die bei der Fabrikation gewonnenen Abfälle selbst speisen. Die maschinelle Fabrikation im Werke hat aber zur Folge, daß der Aufbau des Hauses an Ort und Stelle nur eine ganz geringe Zahl von Arbeitskräften erfordert und in kürzester Zeit bewerkstelligt werden kann, unter Umständen von ungelernten Arbeitern unter Leitung eines einzigen Fachmannes, welchen das Werk zur Verfügung stellt. Die Errichtung eines Holzhauses geht daher weit schneller vor sich, als bei irgend einem anderen Massiv- oder Halbmassiv-Hause. Von ausschlaggebender Bedeutung ist ferner, daß ein langes Austrocknen, wie bei den Massivbauten, nicht erforderlich ist, so daß das in kurzer Zeit aufgestellte Holzhaus sofort bezogen werden kann.

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